Schwäbische Maultaschen und warum sie zu Ostern dazu gehören

Cororna ist in aller Munde und ich schreib mein Maultaschen Rezept auf.
Macht das Sinn?
Wer hat in solchen Zeiten Lust darauf Rezepte nachzukochen?
Wo die Menschen vor Sorge nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht.
Die Sorgen sind gewaltig und berechtigt. Und begleiten auch mich den ganzen Tag.

Doch dann hab ich beschlossen: JA es macht Sinn!
Viele Menschen sind momentan gezwungenermaßen Zuhause.
Sie haben viel mehr freie Zeit als gewöhnlich.
Fast alle Einrichtungen sind geschlossen. Auch die Kinder sind daheim.
Geschäfte und Läden sind weitgehend zu. Ebenfalls Gasthäuser, Cafés und vieles mehr.
Das öffentliche Leben ist „heruntergefahren“.

Man kann dieser Situation nichts Gutes abgewinnen.
Dennoch Selbermachen und Beschäftigung tut gut!
Etwas mit den eigenen Händen zu machen.

Ein Sprichwort sagt Essen & Trinken hält Leib & Seele zusammen.
Also macht Maultaschen!

Selbstgemachte Maultaschen sind darüber hinaus viel gesünder als industriell hergestellte,
man weiß was drin ist sie und schmecken um Welten besser!
Bei uns Zuhause brauche ich mit gekauften Maultaschen überhaupt nicht mehr anzukommen.
Meine Familie würde dann empört sagen: DAS ist jetzt aber nicht dein Ernst…

Maultaschen gehören im Schwäbischen so dazu, wie das Amen in der Kirche.
Ohne Maultaschen kann man sich ein Leben hier nicht vorstellen.
Und wenn ich es recht überlege, ist in einer Maultasche einfach auch alles drin.
Nudeln, Fleisch, Ei und Gemüse.
Im übrigen sind sie ein perfektes Kinderessen.
Maultaschen waren und sind, eine der Leibspeisen unserer Tochter.
Und eines der allerersten Worte, die sie sagen konnte.
Auch wenn man ein wenig Phantasie brauchte um es zu verstehen.

An Ostern bekommen die Maultaschen hierzulande eine ganz besondere Bedeutung.
Dann heißen sie „HerrGottsBscheißerle“.
Wir Schwaben sind nämlich clever und verstecken das Fleisch an Karfreitag unter dem Nudelteig.
Dann sieht’s der liebe Gott nicht. So einfach ist das!
Traditionelles Karfreitags-Essen sind bei uns also Maultaschen.


Was hat Bärlauch mit Maultaschen zu tun?
Er ist lecker und gesund. Und im Frühjahr in den Wald zu gehen und Bärlauch zu sammeln tut einfach gut. Nebenbei bekommt man den Kopf frei! Das schadet nie.
Also mache ich im Frühjahr, immer eine Maultaschen-Variante mit Bärlauch.
Dabei ersetze ich den Spinat komplett durch Bärlauch.


Hier aber nun endlich mein Maultaschen Rezept:

Die Menge ergibt etwa 50 Maultaschen.

  • 1 Kilo Nudelteig
    Ich nehme, ( Achtung Werbung) , Schmid’s Nudelteig https://www.schmidnudeln.de/produkt/nudelteig/
    Der ist schön dünn und lässt sich sehr gut verarbeiten.
    Nudelteig kann man natürlich aus selbst machen. Oder ihn beim Bäcker bestellen.
  • 1 Kilo gemischtes Hackfleisch
  • 1 Kilo Brät
  • 200 Gramm Schinken die Hälfte gekocht, die andere Hälfte roh, fein geschnitten
  • 600 Gramm gehackten Tiefkühl-Spinat, auftauen und im Sieb sehr gut ausdrücken
    oder 400 Gramm frischen Bärlauch, gut gewaschen und im Mixer zerkleinert
  • 4 Eier, am besten von freilaufenden Hühnern
  • einige, wenige Löffel Mehl
  • Salz, Pfeffer, Muskat, und etwas gekörnte Brühe zum Würzen
  • 3-4 Zwiebeln angedünstet
  • 2 Bund glatte Petersilie fein gehackt ( nicht wenn ich Bärlauch-Maultaschen mache )

An dem Rezept hab ich über die Jahre gefeilt und es immer wieder angepasst. So schmeckt es uns am besten!

Alle Zutaten in einer großen Schüssel gut miteinander vermischen.


Den Nudelteig zeitig aus dem Kühlschrank nehmen. Dann lässt er sich besser verarbeiten!
Wie ich die Maultaschen fülle, zeig ich in einer kleinen Photo-Strecke.
Diese Methode finde ich es am einfachsten. Ich nehm kein Ei zum Einpinseln.
Die Füllung streiche ich mit einem Suppenlöffel auf den Teig.
Die Ränder drücke ich mit dem Teigschaber-Rücken ( das ist das hässliche Ding mit dem roten Griff ) fest an.
Dann schneide ich der Länge nach mit dem Pizza-Roller durch.
Und teile die Maultaschen mit der scharfen Seite des Teigschabers ab.

Anmerkung:
Wenn Nudelteig übrig ist, in feine Streifen schneiden und als Nudeln essen.
Unsere Hunde liebe das auch sehr.
Falls Füllung übrig ist: Fleischküchle ( Frikadellen ) daraus machen.


Derweil hab ich bereits 2 große Töpfe mit Salzwasser aufgesetzt.
Wenn unsere Tochter Antonia zum Maultaschen machen kommt
übernimmt sie immer das Kochen, während ich die Maultaschen herstelle.
Zu Zweit geht es wirklich besser und macht mehr Spaß!
Jeweils 5-6 Maultaschen werden dann zum Kochen ins das siedende Wasser eingelegt.
Es soll nicht sprudelnd kochen!
Die Kochzeit beträgt ca. 6 Minuten.
Ich mag sie eher al dente. Zumal ich auch immer einen Teil davon einfriere.
Am besten eine Probe-Maultasche machen!


Die fertigen Maultaschen mit der Schaumkelle heraus nehmen und auf einem Gitter abtropfen lassen.
Danach schichte ich die Mautaschen mit dem Nudelpapier ( damit sie nicht aneinander kleben) in eine Form.
Und wenn sie richtig kalt sind, friere ich sie, flach liegend ein.

Übrigens wird während der Maultaschen-Produktion unsere Küche sehr gerne von Familienmitgliedern
aufgesucht. Insbesondere meinem Mann.
Der dann immer fragt: UND? Sind schon welche fertig?
So frisch gekocht schmecken sie schon besonders gut.

Frische Maultaschen in der Brühe

Maultaschen kann man auf verschiedene Art und Weise essen.
Am Maultaschen-Tag gibt es bei uns aber allermeistens:
Geschmelzte Maultaschen in der Brühe, mit Kartoffelsalat!
Geschmelzt bedeutet, dass man angedünstete Zwiebeln dazu gibt.

Die Brühe schmeckt am besten natürlich selbstgekocht.
Wie das geht, habe ich beim „Gaisburger Marsch“ Rezept erklärt.
Die Brühe lässt sich auch sehr gut portionsweise einfrieren. Auf Vorrat sozusagen.

Bei Bärlauch-Maultaschen streue ich feine Bärlauch-Streifen darüber.
Ansonsten nehme ich frischen Schnittlauch.

Gutes Gelingen und Guten Appetit!
Und bleibt vor allem eines, gesund!
Alles Liebe,

PS: Wie immer dürft ihr mich alles fragen! Ich weiß, das Spätzle Rezept fehlt noch.
Ich hab’s aber nicht vergessen